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Wie man zum Endo-Profi wird...

08.05.2019 | Jobtipps

Prof. Dr. Sonntag Statement

Nach der Uni ist vor der Spezialisierung: Prof. Dr. David Sonntag, Spezialist für Endodontie (DGZ, DGEndo) im Interview.
Eine der größten Herausforderungen für junge Zahnmediziner ist heute wohl die Frage nach der Spezialisierung. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten und längst kann ein junger Zahnarzt nicht mehr damit rechnen, nach der Uni ausgelernt zu haben. Für alle, die sich eine Spezialisierung im Bereich Endodontie vorstellen können, haben wir in dieser Ausgabe Prof. Dr. David Sonntag, Spezialist für Endodontie (DGZ, DGEndo) und Leiter des einzigen deutschen Masterstudiengangs Endodontologie, zum Interview gebeten. Er wird regelmäßig zu nationalen und internationalen Endo-Veranstaltungen eingeladen und diskutiert mit dem Who’s who der Endo-Spezialisten über Behandlungsmethoden, Entwicklungen und Trends. Gleichzeitig versteht er es, in seinen Vorlesungen und Kursen junge Zahnärzte bei den ersten Schritten in die Endodontie zu begleiten. In diesem Interview teilt er mit uns nicht nur sein Wissen, sondern vor allem seine Leidenschaft für dieses Spezialgebiet der Zahnmedizin.

dent.talents.-Redaktion: Was hat Sie bewogen, sich auf dem Gebiet der Endodontie zu spezialisieren, und was reizt Sie daran so sehr?

Endodontie

Prof. Dr. David Sonntag: Zum Zeitpunkt meiner Approbation Ende der 90er war die Endodontie mehr oder weniger ein weißer Fleck auf der Landkarte der deutschen Zahnmedizin. Meine Neugier war deshalb geweckt und ich versuchte mir gezielt Wissen anzueignen. Es gab bei uns weder ein Curriculum noch einen Masterstudiengang zur Spezialisierung in der Endodontie. Mich zog es deshalb ins Ausland, um von Pionieren zu lernen. Ich flog z. B. immer wieder in die USA, da es dort bereits seit 1943 eine nationale Fachgesellschaft gibt. 2002 wurde dann die Deutsche Gesellschaft für Endodontie mit vielen enthusiastischen Endodontologen gegründet. Seither hat sich unglaublich viel getan und heute sind wir auch international in einer guten Position.

Für mich war es unglaublich spannend, diese Entwicklung mitzuverfolgen. Bis heute reizt mich an der Endodontie die Mischung aus Geduld und Technik, die für den Erfolg einer Behandlung maßgeblich sind. Je komplizierter und langwieriger der Fall ist, desto mehr freue ich mich, wenn das Ergebnis passt.

dent.talents.-Redaktion: Was hat sich im Vergleich zu früher verändert?

Prof. Dr. David Sonntag: Die Endodontie ist heute einfacher, schöner und spannender geworden. Während man sich früher noch quälen musste, die Kanäle richtig auszuleuchten, ist gutes koaxiales Licht passend zur Vergrößerung heute eine Selbstverständlichkeit. Dazu war die rotierende Aufbereitung seinerzeit schon ein großer Fortschritt, die mit dem reziproken Verfahren noch einmal deutlich verbessert wurde.

Weiterhin sind die Röntgenergebnisse heute einfacher beurteilbar und durch die Digitalisierung sofort verfügbar. Therapien können dadurch noch zielgerichteter geplant und dokumentiert werden. Das hat natürlich auch positiven Einfluss auf das Ergebnis. Insgesamt hat sich die technische Grenze deutlich verschoben: Es ist schön zu sehen, dass man heute vorhersagbar Fälle lösen kann, die früher unmöglich schienen.

dent.talents.-Redaktion: Wie lange dauert es, zum Spezialisten in der Endodontie zu werden?

Endodontie

Prof. Dr. David Sonntag: Die Ausbildung ist durch zahlreiche Fortbildungsangebote von den Universitäten, den Kammern, den Fachgesellschaften, der Industrie und dem Handel deutlich vielfältiger geworden, als es früher der Fall war. Dies macht die Auswahl des richtigen Weges für junge Kollegen nicht einfach. Endo-Spezialist wird nur jemand, der seit einiger Zeit Endodontie auch tatsächlich überwiegend betreibt. Jungen Zahnärzten empfehle ich neben dem Besuch von Fortbildungen jede Gelegenheit zu nutzen, Profis über die Schulter zu schauen. Realistisch betrachtet sollten junge Zahnärzte mit einer Ausbildungsdauer von 6 bis 7 Jahren rechnen, bis sie den Titel führen dürfen.

dent.talents.-Redaktion: Wie schafft man es, als Endo-Spezialist in eigener Praxis zu arbeiten?

Prof. Dr. David Sonntag: Der Weg hin zu einer reinen Endo-Praxis ist lang. Zum einen dauert es, die nötige Routine für sich selbst zu entwickeln. Zum anderen braucht es Zeit, bis man sich einen Ruf erarbeitet hat und die Kollegen tatsächlich überzeugt sind, dass die Patienten sehr gut behandelt werden und auch wieder zurückkehren. Dazu braucht man vor allem Geduld. Ich persönlich habe mich entschieden, Wissenschaft und Praxis zu verbinden. Etwa die Hälfte meiner Zeit verbringe ich als Oberarzt an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und unterrichte dort vornehmlich Endodontologie. In der anderen Hälfte behandle ich in einer Privatpraxis limitiert auf Endodontie

dent.talents.-Redaktion: Was ist wichtig, damit eine Wurzelkanalbehandlung erfolgreich durchgeführt werden kann?

Prof. Dr. David Sonntag: Maßgeblich für den Erfolg einer Behandlung ist die ausführliche Diagnostik. Nehmen Sie sich also Zeit für die Diagnose und wägen Sie genau ab, bevor Sie eine Behandlungsstrategie erstellen. Sobald diese steht, ist es wichtig, das richtige Instrumentarium auszuwählen. Neben einer guten Ausstattung und einer angemessenen Vergrößerung ist ein vertrautes und verlässliches Aufbereitungssystem der Schlüssel zum Erfolg. Doch auch der beste Therapieplan funktioniert nicht, wenn am Ende Bakterien im Wurzelkanal zurückbleiben. Kurz gesagt: Nehmen Sie sich Zeit für die komplette Behandlung und vor allem für die Desinfektion.

Infokasten Prof. Dr. Sonntag

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